Die Kolonie Kolpino

Die Kolonie lag etwa 20 km im Südosten von Petersburg am rechtsseitigen Ufer des Flusses Ishora. Die Kolonie wurde 1765 von 28 deutschen Kolonisten-Familien gegründet (28.er Kolonie). Die Konfession in der Kolonie war evangelisch. Die untere Kolonie, bestehend aus 16 Höfen, lag im Gebiet der heutigen Straße Ulitsa Anisimova in Kolpiono. Die obere Kolonie, bestehend aus 12 Höfen, lag im Gebiet der heutigen Ortschaft Telmana. Die gesamte Landfläche betrug 660 Desjatinen. Nach den Aufzeichnungen des Jahres 1805 wohnten in beiden Kolonien 33 Familien mit 244 Bewohnern. 1862 hatte die obere Kolonie bereits 308 und die unteren Kolonie 401 Einwohner. Die Einwohnerzahl wuchs bis 1904 auf 800, bis 1926 auf 1443 Bewohner. 1926 gab es im Ort eine 4-klassige Schule. Im Zuge der russischen Revolution, des Bürgerkrieges und des 2. Weltkrieges nahm die Anzahl der Bewohner ab. In den Jahren des "Großen Terrors" (1937-38) wurden allein im Bereich Kolpino über 50 Eigentümer verhaftet, der größte Teil von ihnen erschossen. Vom 17. bis zum 21. März 1942 wurden auf einen Regierungsentscheid vom  29. August 1941 „ Aussiedlung  der deutschstämmigen und finnischstämmigen Bevölkerung aus den Leningrader Vororten“  26000  Deutsche aus dem Leningrader Gebiet und zwar aus Kolpino wie auch aus Graschdanka, Neu-Saratowka, Srednja Rogatka, Neu-Pargolowo, Neu Alexandrowska nach Sibirien abtransportiert. Kolpino war von September 1941 bis Januar 1944 Frontstadt. Aufgrund der ansässigen Rüstungsindustrie war die Stadt Ziel schwerer Luft- und Artilleriebombardements. Die Deutschen Kolonisten bewahrten über einen großen Zeitraum ihre Sprache, ihre Sitten und Gebräuche sowie die Elemente ihrer Volkstracht. Sie waren hervorragende Gemüsebauern und versorgten Kolpino und Petersburg mit Gemüse. Die Historiker beschreiben ein akkurates Aussehen der deutschen Siedlungen, die „mit ihren Bauten die besten russischen Siedlungen weit übertrafen und es gibt Häuser, die der Zierde der Kreisstadt dienen können“.

 

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Karte der Kolonie Kolpino

Kolonie Ischora neu

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Liste der Kolonisten in Kolpino

Amhäuser
Beck
Bender Buhk
Dopper Ehrhardt Fleischmann Fuchs
Gehr Gehweiler Götz Heim
Herrlemann Kiel Kraft Krause
Kuhn Lampart Leverenz Lohmann
Lustig Meyer Muss Pletzer
Poppe Ritter Schirmer Schmidt, Johannes
Schmidt, Michael Stress Suckau Teschner
Thüringer Untzel Walther Willewald

 

Kolpino, Revision 1811

Einwohnerliste der Kolonie Kolpino im Jahre 1919