TREUEEID

Bei seiner Ankunft in Russland musste jeder Kolonist, wie im Manifest von 1763 gefordert, einen Treueeid auf die russische Krone ablegen. Der entsprechende Paragraph 5 hatte folgenden Wortlaut:

"Gleich bei der Ankunft eines jeden Ausländers in Unser Reich, der sich häußlich niederzulassen gedenket und zu solchem Ende in der für die Ausländer errichteten Tutel-Cantzelley, oder aber in anderen Grentz-Städten Unseres Reichs meldet, hat ein solcher, wie oben im Paragraph 4 vorgeschrieben steht, vor allen Dingen seinen eigentlichen Entschluß zu eröffnen, und sodann nach eines jeden Religions-Ritus den Eid der Unterthänigkeit und Treue zu leisten."

 

SCHWUR / TREUEEID vom 17. August 1763

Ich, unten genannter, verspreche und schwöre vor dem allmächtigen Gott und vor dem heiligen Evangelium, dass ich Ihrer Kaiserlichen Hoheit, meiner allergnädigsten  Grossen Kaiserin Catharina Alexejewna, Herrscherin zu Russland, sowie dem Sohn von Ihrer Kaiserlichen Hoheit, den liebenswürdigen Prinzen und Fürsten Pavel Petrovitsch, dem rechtlichen Nachfolger des russischen Thrones, treu und ehrlich zu dienen und bis zum letzten Blutstropfen in allem zu gehorchen.

All die gesetzlichen Rechte und Privilegien Ihrer Kaiserlichen Hoheit, sowie die künftigen Gesetze sind von mir zu bewahren und mit Verstand, aller Kraft und auf jede Weise zu verteidigen.  Ich werde allem beistehen, treu  dienen  und für das Wohlergehen des Staates eintreten.

Alles, was Schaden und Nachteile Ihrer Kaiserlichen Hoheit zufügen könnte, ist nicht nur von mir sofort zu berichten, sobald ich darüber erfahre, sondern von mir auch mit allen Mitteln zu verhindern.

Jedes Geheimnis, was mir anvertraut werde, ist standhaft zu bewahren. Es ist von mir mit gutem Gewissen zu tragen nach zugeteiltem Rang laut Instruktionen, Regelungen und Erlassen.

Rang und Schwur wegen der Gier, Freundschaft und Feindlichkeit ist meinerseits nicht zu brechen. Als guter und treuer Sklave und Unterthan Ihrer Kaiserlichen Hoheit werde ich mich wohlverhalten.

Da ich mich vor dem Jüngsten Gericht immer dafür verantworten werde, so möge mir mein Gott leiblich und seelisch helfen.

Zum Abschluss meines Schwures küsse ich die geschriebenen Worte (Vereidigungstext) und das Kreuz meines Erlösers.

Amen !